Schauspiel und Coaching – der Text zu meinem Vortrag zum 36. Münchner Filmfest

SCHAUSPIEL UND COACHING. Das ist ein komplexesThema. Deswegen habe ich meinen Vortrag verschriftlicht. Jonathan Berlin nannte diesen Text ein „Manifest“. Und ja, vielleicht ist es das.

Mein Ziel war von Anfang an, dass Schauspielcoaching richtig verstanden wird. Dass eben auch und gerade sehr gute und sehr gut ausgebildete Schauspieler oder Schauspieler in Ausbildung mit einem Coach arbeiten können, dürfen und solltenIch möchte das Verständnis von Schauspielcoaching erneuernDafür werde ich auf die 7 typischen Fragen zum Coaching eingehen, die mir immer wieder gestellt werden.

Und es gibt kein besseres Beispiel für Schauspiel und Coaching als Jonathan Berlin. Ich arbeite mit ihm seit über 7 Jahren – am Anfang unserer gemeinsamen Arbeit war er erst 17 und bewarb sich auf Schauspielschulen. Kurz seine Biografie:

Jonathan Berlin wurde 1994 in Ulm geboren und wuchs in der schwäbischen Kleinstadt Günzburg auf. Er spielte seit seinem achten Lebensjahr Theater, spielte im Jungen Ensemble des Theaters Ulm und stand mit 15 er das erste Mal vor der Kamera.

Für die Hauptrolle in dem Kurzfilm JEAN (Regie: Alexander Jaschik) schickte ihn sein Agent zu mir zum Coaching. In dieser Arbeit lernten wir uns kennen und anschliessend folgte eine Nebenrolle in dem Kinofilm UND MORGEN MITTAG BIN ICH TOT (Regie: Frederik Steiner) neben Liv Lisa Fries.

Jonathan ging dann auf die Otto Falckenberg-Schauspielschule, die er 2016 erfolgreich abschloss. Während des Studiums spielter als Gast an den Münchner Kammerspielen und übernahm parallel erste größere Rollen für Film & Fernsehen wie etwa im ZDF- Dreiteiler TANNBACH (Regie: Alexander Dierbach) oder dem Kinofilm SCHNEEBLIND (Regie: Arto Sebastian). Für seine Hauptrolle in der Romanverfilmung DIE FREIBADCLIQUE unter der Regie von Friedemann Fromm gewinnt Jonathan 2018 den New Faces Award als Bester Nachwuchsdarsteller und ist für den Deutschen Schauspielpreis 2018 nominiert. Auf dem Filmfest München lief Jonathan mit einer Hauptrolle in Thomas Stubers Romanverfilmung KRUSO – KRUSO läuft im Herbst auf der ARD.

Bevor der Hauptteil losgeht, möchte ich noch ein paar Sachen klären:

Ein Coach muss STRUKTUR geben und ein KONZEPT haben. Genauso wie es der Regisseur und der Schauspieler haben sollte. Sonst verliert man den roten Faden und kommt vom Hundertsten in Tausendste. Auch ein wichtiger Vorteil von Coaching – den Faden in der Vorbereitung nicht zu verlieren.

Ich muss vorab sagen, dass ich politisch inkorrektes Gendering verwende. Ich sage immer „der Schauspieler“. Ich verwende dies abstrakt und geschlechtsunabhängig. Ich meine damit auch SchauspielerINNEN.

Dies ist nun ein langer Text, aber manches braucht eben seine Zeit – Coaching auch. Und Zeit ist im Film durch nichts zu ersetzen, ausser durch Zeit.

Coaching ist IMMER
Method Acting. Method Acting ist ein Kunstwort.„Method Acting“ heisst übersetzt METHODISCHES SCHAUSPIEL. Das ist, was ich mache. Das ist, was ALLE Schauspieler machen: METHODISCHES SCHAUSPIEL. Denn jeder Schauspieler hat gewollt oder ungewollt seine Methode, seine Art, sich vorzubereiten.

Es war der Russe Konstantin Sergejewitsch Stanislawski, der als historisch Erster alle Schauspieltechniken dokumentierte. Seit Stanislawskis Wissenschaft 1923 in die USA kam, ist es immer wieder dasselbe: Überall tauchen dieselben Methoden auf – nur mit anderen Namen, anderen Schwerpunkten, anderen Begriffen. Es gibt nun einmal nur eine gewisse Anzahl an grundsätzlichen Schauspielmethoden. Der Rest sind Variationen oder Kombinationen davon und eben nicht die Technik „Method Acting“.

Konstantin Sergejewitsch Stanislavski

 Es ist ein ständiger Kreis und gegenseitige Inspiration zwischen Schauspielern, Coaches und Koryphäen in der Geschichte deSchauspiels und der Schauspieltechnik. Ein Coach sollte allerdings die Techniken, die er weitergibt, auch verinnerlicht haben.

Welche Methode Du für Dich findest und anwendest ist letztlich Deine Entscheidung – oder sie wird von Deinem Coach oder Regisseur oder Kollegen für Dich getroffen. Aber wer will sich das schon aus der Hand nehmen lassen?

Jetzt geht’s los: Das sind die 7 typischen Fragen zum Thema Coaching:

1. Wenn ich ein Coaching mache, was erwartet mich dann?
2. Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Profiling?
3. Stimmen die Vorurteile darüber, wer Coaching nötig hat?
4. Welche Rolle nimmt der Coach gegenüber dem Schauspieler ein?
5. Wie arbeitet ein Coach?
6. Welche Methoden verwendet ein Coach?
7. Welcher Coach ist der richtige für MICH?

1. Wenn ich ein Coaching mache, was erwartet mich dann?

Ich arbeite zu 80% über Gespräche. ICoaching wird bei mir nicht geschauspielt, sondern höchstens angespielt. Ich höre am Klang der Stimme, ob Du auf der Rolle bist. Ich bin kein Regisseur, ich probe die Szenen nicht. Wir proben höchstens die Figur. Für gemeinsames Ausprobieren, für Körperarbeit gehen wir ins Schauspielstudio oder wir arbeiten vor Ort an bestimmten Haltungen. Wir bauen die Rolle zusammen auf, aber Du musst sie dann selber füllen und für Dich selber ausprobieren. Denn ich bin kein SetcoachIch will den Klienten auch nicht auf mein Feedback konditionieren. Am Set ist der Schauspieler höchstens auf das Feedback des Regisseurs angewiesen und nicht mal unbedingt das, denn oft geben Regisseure kein Feedback (was -wenn man das weiss- ok ist).

Dame Sybil Thorndike

Der Schauspieler muss die Rolle verinnerlicht haben. Letztlich weiss nur der Schauspieler selbst, ob er der Rolle gerecht wurde oder nicht. Aber keine Sorge, jeder ernsthafte Künstler weiss:
Schauspiel ist die schwierigste Kunstform, um Perfektion zu erreichen“
(Dame Sybil Thorndike, britische Theaterlegende). 

Elia Kazan

Die Basis ist also das GESPRÄCH. Als Vorbild sehe ich den griechischstämmigen, amerikanischen Film- und Theaterregisseur Elia Kazan. Er gilt als einer der angesehensten und erfolgreichsten Regisseure seiner Generation. Er lieferte bahnbrechende Theaterinszenierungen am Broadway. Seine Filme zählen zur Filmgeschichte: JENSEITS VON EDEN mit James Dean, ENDSTATION SEHNSUCHT oder DIE FAUST IM NACKEN mit Marlon Brando.

Wie hat er damals mit dem relativ unbeleckten JAMES DEAN seine erste grosse Filmrolle gearbeitet? Sie gingen zusammen spazieren und haben geredet. KAZAN gilt auch grossartiger Manipulator seiner Schauspieler am Set. Und Manipulation ist spätestens seit Ivana Chubbbuck kein böses Wort mehr. Es ist Teil unseres Handwerks. So wie Manipulation im alltäglichen Leben fester Bestandteil aller Menschen ist – sonst gäbe es nur noch mehr Tote und Verletzte.

Die Frage bei einem Coaching-Termin ist vielmehr:
Warum kommst Du zu einem Coach?
Geht es um
GRUNDSATZARBEIT oder KONKRETE ARBEIT?

KONKRETE ARBEIT:
– Castingvorbereitung
– Rollenarbeit für Dreharbeiten

GRUNDSATZARBEIT:
– Was läuft bei mir falsch? Warum drehe ich nicht?
– Neue Schauspielmethode
– Public Persona, Imaging, Profiling

2. Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Profiling?

Als erstes zum Coaching in der KONKRETEN ARBEIT:

Ein Coach analysiert und präzisiert eine Rolle/eine Szene zusammen mit dem Schauspieler. Damit der Schauspieler zum absloluten Fachmann bezüglich seiner Rolle wird.
Wann reagiert deine Rolle wie und vor allem warum?

Die STRUKTUR ist Schritt Nummer eins.
Dann ist es wichtig, ein
Drehbuch und ALLE Szenen zu strukturieren.
Simpel gesagt gibt es ANFANG-MITTE-ENDE. Etwas feiner ausgedrückt bestehen alle Geschichten, Bücher und Szenen aus 5 Akten.
Susan Batson nannte sie die „5C´s“:

1. Circumstances
2. Conflict
3. Crisis
4. Climax
5. Conclusion

Die einzelnen C´s können je nach Inszenierung auch off-Screen stattfinden.

Dann werden die 5 AKTE oder 5C´s in BEATS, also in TAKTE eingeteilt. Das nennen wir BEATEN. Und dann wird jeder Satz Satz für Satz durchgegangen:
Wann reagiert deine Rolle wie und vor allem warum?
Das heisst, es werden gemeinsam Akzente gesetzt, Spiel-Entscheidungen getroffen und die Abrufbarkeit und Reproduktion sicher gestellt.

An alle Regisseure und Caster: Das heisst nicht, dass ein Schauspieler einen fixen Plan bekommt – im Gegenteil, er muss FLEXIBEL bleiben und seine Rolle modulieren können, um aus dem Moment und aus den Umständen heraus agieren und auf den Partner reagieren zu können.

Die Arbeit für Castingvorbereitung oder Rollenarbeit für Dreharbeiten ist im Kern immer dieselbenur ist eine Hauptrolle natürlich mehr Stoff und muss noch tiefer gearbeitet werden als ein Casting. Ein Casting nenne ich eine Skizze, eine Filmrolle ein Ölbild.

Kommen wir nun zu Coaching in der grundsätzlichen Arbeit – also wenn die Karriere nicht läuft, man in einer Krise ist oder sich einfach neu orientieren möchte:

Als Erstes kommt die ANAMNESE:
Wo steht der Schauspieler ausbildungstechnisch, beruflich, emotional?
Welches Fach belegt er oder welches Fach wäre geeigneter?

Benötigtes Fachvokabular wird geklärt – was ist Need, Action, Objective, Tragic Flaw und so weiter..

Dann gilt es, das Instrument des Schauspielers in Balance zu bringen. Dafür gibt es 6 wichtige Bereiche, die bei jedem unterschiedlich stark im Fokus stehen:

PHYSIS

Die Essenz des Schauspielers muss er durch seine Physis unterstützen. Was nicht heisst, dass Schauspieler manisch auf ihr Äusseres auf Kosten ihres Innenlebens achten sollen! Die Mädels hungern sich runter und rauchen nur noch statt zu essen und als Mann muss man ja jetzt mindestens einen Waschbrettbauch haben. Aber vor lauter Askese oder Fitnesswahn verlieren die Schauspieler den Kontakt zu ihrem Inneren. Das Feuer ist weg. Das darf nicht passieren.

BILDUNG

Ein Schaupieler muss lesen, sich in den Künsten, Malerei, Literatur oder Musik auskennen und gesellschaftlich und politisch informiert sein. Weil er dadurch die Vergangenheit und die Gegenwart besser versteht. Das wird oft als intellektuelle Extravaganz bezeichnet. Aber wir sind Künstler! Durch Bildung treffen wir cleverere, tiefere und intelligentere Entscheidungen für eine Rolle. Das verbessert auch die

IMAGINATION

Wir müssen die VORSTELLUNGSKRAFT trainieren. Durch Rückbesinnen auf eigene Erfahrungen und gleichzeitiger Erweiterung des eigenen Horizontes durch Bildung kann man sehr viel besser EIGENE BILDER in der Vorstellung entstehen lassen. Und das ist wichtig, denn ein Schauspieler sieht am Set vor allem das Filmteam vor sich. Aber der Regisseur und die Zuschauer müssen BILDER in den Augen des Schauspielers sehen.

EMOTIONALE FLEXIBILITÄT

Dafür muss man sich erstmal seiner eigenen Gefühle bewusst werden. Oft ist da erstmal viel Frust und TraurigkeitDie muss man los werden und sich von der Seele reden. Erst dann hat man Zugang zu tieferen GefühlenDenn hinter jedem Gefühl verbirgt sich ein anderes Gefühl. Wenn man sich dieser vielen und auch tieferen Gefühle bewusst wird –sei es durch Gespräche oder durch Training im Studio oder bei Workshopsdann begreift man, dass die Basis für alle Gefühle Gedanken sind. Dann hat man begriffen, dass man seine Gefühle als Schauspieler durch Gedanken steuern kann. Und dann trainiert man, diese Gefühle in der Praxis auszudrücken.

AUFMERKSAMKEIT

Schauspieler sind sehr sensible Menschen – sie müssen Gerüche, Geschmäcke, Klänge, emotionale Stimmungen und die Stimmung der Umgebung deutlicher wahrnehmen als normale Menschen. Und sie müssen sie nicht nur deutlicher wahrnehmen, sondern sie müssen sie auch noch abspeichern, um sie vor der Kamera reproduzieren zu könnenDeswegen heisst Coaching auch, die Sinne eines Schauspielers zu schärfen und sie zu fokussieren.

EMPATHIE

Mit Empathie meine ich nicht politisch korrektes Verhalten von Schauspielern– im Gegenteil: Sie müssen Empathie für ihre Rolle haben! Auch wenn es ein Mörder ist.

Christoph Waltz

Christoph Waltz wurde einmal gefragt, wie es denn sei, einen Mörder zu spielen und wie er sich darauf vorbereitet. Und er meinte „ICH LESE DAS DREHBUCH. ICH MUSS KEIN MÖRDER SEIN UM EINEN MÖRDER ZU SPIELEN.“

Der Schauspieler ist der ANWALT seineRolle. Er muss die Rolle verstehen und lieben, bis in kleinste und sogar bis in intime DetailsSchliesslich schenkt  der Schauspieler seinen Körper der Rolle. Die Empathie eines Schauspielers für seine Rolle muss grenzenlos sein – er weiss aber auch, was seine Rolle NICHT tut. Das ist nicht zu verwechseln damit, was der Schauspieler nicht tun möchteAlso keine Entschuldigungen für EGOS und DIVAS!

Der Schauspieler hat nicht nur Mitgefühl, sondern auch VERANTWORTUNG für seine RolleDas macht ihm sein Coach bewusst und präzisiert die Rolle.

So, wir sind immernoch beiCoaching in der Grundsatzarbeit.

Oft liegt es am nicht aussagekräftigen Material des Schauspielers, dass er nicht dreht. Er wird schlichtweg nicht richtig gesehen, weil er sich nicht richtig zeigt! Wenn man ein Problem mit sich Ausstellen hat, sollte man einen anderen Beruf ergreifenEs geht darum, dass die Essenz eines Schauspielers sichtbar wird.
Was unterscheidet Dich von den anderen? Was macht Dich besonders?
Diese Besonderheit kann man nur durch Selbst-Bewusstsein erreichen.Und Selbst-Bewusstsein erreicht man nur durch Erfahrung und Arbeit. Coaching ist Arbeit an Deinem Selbst-Bewusstsein.
Wenn Du ein unbelecktes Pflänzchen bist, dann sei ein unbelecktes Pflänzchen! Aber selbst die jüngsten Pflanzen unterscheiden sich voneinander. Wenn Du schon sehr viele Erfahrungen gemacht hast, dann bist Du eine Schatzkiste. Wir holen zusammen die Juwelen aus de Schatzkiste.

Imaging und Profiling ist ein wichtiger Teil der grundsätzlichen Coachingarbeit. Wenn ein schlecht aufgestellter Schauspieler zu mir kommt, dann machen wir die Anamnese und finden seine Essenz heraus. Wir finden den richtigen Fotografen für Schauspielerbilderwir erstellen mindestens eine Demoszene, dann sprechen wir über die richtige Agentur und die für ihn relevanten Caster. Und dann heisst es: AbwartenGeduld ist hart, aber wahnsinnig wichtig. Am Set wartet man ja auch die meiste Zeit. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Zum Profiling in der grundsätzlichen Coachingarbeit

Wie für alle Künstler – Maler, Sänger, Schriftsteller – ist viel harte Arbeit, ständiges Weiterentwickeln, besser und klarer werden unablässlich. Aber für jeden Künstler jeder Kunstform ist die Vernetzung, das Marketing überlebenswichtig.

Mit Profiling meine ich nicht die polizeiliche Beweisführung oder Täterbeschreibung, sondern eine zur Arbeitsvermittlung nutzbare Erstellung des Gesamtbildes Deiner Persönlichkeit, Deine PUBLIC PERSONA. Ein Schauspieler ist automatisch – ob er will oder nicht – eine öffentliche Persönlichkeit. Ich meine nicht automatisch ein Promisondern eine der Öffentlichkeit zur Disposition gestellte Persönlichkeit.

Um sich selber zu schützen, muss der Schauspieler eine PUBLIC PERSONA entwickeln. Aber eben auch um Rollen zu bekommen. Klingt kompliziert, aber wenn ich ein paar Namen sage, versteht ihr mich: Matthias Schweighöfer, Florian David Fitz, Jessica Schwarz, Iris Berben, Hannelore Elsner… Ihr habt sofort ein Bild vor Augen! Ihre PUBLIC PERSONA.

Nicht jeder Mensch hat es verdient, Dein wahres Ich zu kennen. Lass sie ruhig denjenigen kritisieren, von dem sie denken, dass das Du seist.

Dafür ist die Public Persona da. Caster, Redakteure, Produzenten oder Regisseure sollen Deine Public Persona im Kopf haben. Sie sollen ein klares Bild von Dir haben, um an Dich zu denken.

Es ist naiv zu glauben, als Schauspieler solle man nur man selbst sein.
In Wahrheit geht jeder professionelle Schauspieler – ob bewusst oder unbewusst –
mit
3 verschiedenen Persönlichkeiten ans Set:

– in der Rolle vor die Kamera
– als Public Persona zum Team
– und privat – das hat man immer dabei, geht aber niemand was an

Die Public Persona wird im Profiling entwickelt. Für alle Schauspielerbilder, für Facebook, Instagram, Branchen-Veranstaltungen und für berufliche oder öffentliche Termine.

Nicole Kidman

Als Beispiel: Was viele nicht wissen istdass Nicole Kidman es hasste, auf rotenTeppichen zu sein. Und deswegen haben Susan Batson und sie einPublic Persona entwickelt. Und zwar über ICON-Arbeit. Nicole machte ab dann immer MARYLIN MONROE auf dem roten Teppich. Sie konnte es bald geniessen, auf roten Teppichen zu sein fühlte sich durch die Public Persona geschützt.

Aber Vorsicht! Man merkt, wenn Profiling schlampig gemacht wurde oder wenn einem der Schauspieler etwas vorspielt! Ich hasse es, wenn Schauspieler einem etwas vorspielen und man merkt, dassie das nicht wirklich sindDa fühlt man sich verarscht!

Man merkt die Absicht und man wird verstimmt“ (aus Goethes TORQUATO TASSO)

Das gilt fürs Profiling genauso wie fürs Schauspielcoaching. Wenn ich im Spiel die Absicht spüre, bin ich verstimmt Das beste Coaching und Profiling ist das, das man nicht merkt.

Zusammenfassend: Der Unterschied zwischen Profiling und Coaching ist:
Profiling ist für die Public Persona, das äussere Bild,
und Coaching für die inhaltliche, künstlerische Arbeit.

3. Stimmen die Vorurteile darüber, wer Coaching nötig hat?

1. Coaching ist nur für Schauspieler, die keine Ausbildung haben
Nein, denn ich bin kein Schauspiellehrer und ich arbeite fast nur mit Schauspielern, die eine Ausbildung haben oder gerade in Ausbildung sind.

2. Coaching ist nur für Schauspieler, die schlecht sind
Nein, denn alleine DASS sie sich einen Coach suchen, heisst, dass sie gute Schauspieler sind. Weil sie sich und ihre Arbeit ernst nehmen und eben mutig genug sind, ihre Arbeit vor einem Coach zur Disposition zu stellen.

3. Coaching ist nur für schwache Persönlichkeiten
Nein, denn im Coaching geht es ja genau darum, DASS sie ihre Schwäche zur Stärke machen. Und für diese Entscheidung muss man sehr mutig sein. Schauspieler müssen oft schmerzhaft lernen, dass Ihre private Schwäche nicht interessiert. Die interessiert keine Sau! Und wenn jemand nur an Deiner Schwäche interessiert ist, heisst es aufpassen! Ziel des Schauspielcoachings ist es, diese private Schwäche zu einem Teil der Rolle machen. Und die Rolle stellt diese Schwäche bewusst aus oder versteckt sie bewusst.

Mit einem Augenzwinkern: Ein Schauspieler, der zu einem Coach geht, ist nicht schwach. Denn er hat unterbewusst die Überzeugung, dass er eigentlich ein verdammt guter Schauspieler ist. Er weiss nur nicht, wie er es zeigen soll. Und dabei hilft ihm ein Coach, damit der Schauspieler sich traut, seine Grösse zu zeigen.

5. Coaching stört die Arbeit des Regisseurs
Ja, aber nur die Arbeit eines schlechten Coaches! Ein guter Coach gibt dem Schauspieler ein Fundament mit, mit dem er den Regisseur überrascht und interessiert. Dann geht die Arbeit des Regisseurs los. Der Schauspieler wird quasi aus der Hand des Coaches in die Hand des Regisseurs gegeben.

Was auch nicht ganz korrekt ist, denn zwischen den „Händen“ des Coaches und des Regisseurs steht der Schauspieler selbst, der die Coachingarbeit verinnerlicht und trainiert.
Ich habe mit einem grossartigen Regisseur beim Crew Call lange über Coaching und Regie gesprochen und wir sind zu dem Ergebnis gekommen: MACH DU DEINEN JOB, ICH MACH MEINEN“ Coaching und Regie haben also eine klare Arbeitsteilung. Meiner Erfahrung nach haben bis heute ALLE Regisseure unsere Angebote dankbar angenommen.

4. Welche Rolle nimmt der Coach gegenüber dem Schauspieler ein?

Zu allerserst ist ein Coach ein Reflektor. Damit sich der Schauspieler selber sieht.

Dann ist der Coach ist eine Vetrauensperson. Du machst Dich im übertragenen Sinne nackt bei ihm und offenbarst ihm alle Deine Schwächen und Zweifel. Das muss in einem geschützten Rahmen passieren, bei absoluter DISKRETION.

Aber der Coach ist weder Agent, noch Caster, noch Redakteur, noch bester Freund, noch Therapeuth, noch Partner, weder Papa noch Mama.

Er ist übrigens auch kein GURU. Was bringt Dir ein Guru? Nichts, denn er steht Dir nicht zur Seite! Ein Guru hat visionäre Techniken, ist ein Gelehrter der Kunst mit wahnsinnig viel Erfahrung. Studiere seine Vison und seine Technik. Eoder sie sitzten in LA oder New York, aber Du brauchst ein physisches Gegenüber. Jemand, der für Dich erreichbar ist – vor, nach und während des Drehs. Was meint Ihr wie oft ich täglich Whatsapps oder Anrufe von meinen Klienten für Detailfragen bekomme? Das ist ok, das ist Teil des Coachings. Für meine festen Klienten bin ich 24/7 erreichbar.

Ein Coach ist also ein MentorJemand, der mental neben Dir ist, den Du mental verinnerlicht hast. Oder eben auch direkt kontaktieren kannst. Ein Coach ersetzt nicht Dein Denken. Er ist nur bei wichtigen Fragen Dein Berater, Dein Lernbegleiter, der Visionär Deines PotentialsDer an Dich glaubt, wenn Du oder andere zweifeln.

Ein Coach gibt Dir die Leitersprossen zur Erfüllung Deines Potentials.
Ob Du dann die Leitersprossen gehst, ist Deine Entscheidung.

5. Wie arbeitet ein Coach?

– 1:1 Gespräche
– gemeinsame Textanalyse
– 1:1 Proben im Studio
– Workshops,
bei dem in der Gruppe Methoden und emotionale Flexibilität trainiert werden
– Kameraarbeit:
– – on camera-Workshops
– – Erstellung von Material/Szenen im Workshop
– – E-Castingszenen (ein Schauspieler erstellt on his own E-Castingsszenen und schickt sie mir zur Ansicht und Auswertung)
– Analyse von gesendetem Material
REFLEXION, der Coach analysiert zusammen mit dem Klienten nachträglich ihre Arbeit

Ich persönlich halte die Gesprächsarbeit für am Wichtigsten. Weil ich zusammen mit dem Klienten die Rolle erschaffe und alles über das Bewusstsein geht.  Wir erschaffen gemeinsam die Figur und irgendwann hebt sie ab und fliegt.

6. Welche Methoden verwendet ein Coach?

Uta Hagen

Da muss man erstmal eine Grundsache klären:
Willst Du präsentierend und repräsentierend spielen?

Uta Hagen definierte das 1973 so:
Formalisiertes, rein äußeres Spiel (repräsentierend) tendiert dazu, den Moden zu folgen“.
Momentan ist es „in“, somanmbul zu spielen, underplay bis gar nichts mehr da ist, oder nur laut und „Hey hey hey ich bin ein Proll!“ oder „Pssssst, ich spreche so wahnsinnig leise und undeutlich, weil ich dann interessant rüberkomme!“
„Inneres Spiel (präsentierend) ignoriert die Moden und kann folglich so zeitlos wie die menschliche Erfahrung selbst sein“
Ich arbeite nur präsentierend, denn „Ich kann nur etwas lehren, an das ich glaube“ (Uta Hagen) Sein oder nicht sein. Entweder man IST die Rolle oder man stellt sie dekorierend dar.

Die zweite Grundsatzentscheidung ist keine Entscheidung sondern eine Gleisweiche, die bei jedem Schauspieler anders sein kann:


VON 
INNEN NACH AUSSEN

VON AUSSEN NACH INNEN

KOMBINATION der beiden

 

Von Innen nach aussen:

Von der PSYCHE zur PHYSIS

Im Mittelpunkt steht die IDENTITÄT DES SCHAUSPIELERS und dessen absolute VERSCHMELZUNG mit der Rolle. Es geht um die PERSÖNLICHE BIOGRAFIE des Schauspielers, seine ERINNERUNGEN und seine damit verknüpften GEFÜHLE, die er der ROLLE GIBT. Das ist eine sehr GEBENDE Einstellung.

Vertreter von VON INNEN NACH AUSSEN:

der frühe Konstantin Stanislavski
Lee Strasberg
Susan Batson
Ivana Chubbuck

 

 

Von Aussen nach Innen:

VORSTELLUNGSKRAFT – die Qualität der Vorstellungskraft entscheidet über Authenzität GEGEBENE UMSTÄNDE – der Ort sagt Dir, wie Du spielen musst
PHYSISCHE AKTIONEN – Acting is action, action is doing.

Basis ist auch hier die TEXTANALYSE SOZIOÖKOMOMISCHE UMSTÄNDE
Definiere die Rolle über den Umgang mit REQUISITEN, KOSTÜM und MASKE
KÖRPERLICHE HALTUNG
das führt Dich über die Figur letztendlich zu Dir selbst 

Vertreter von VON AUSSEN NACH INNEN:

Francois Delsarte (Delsartismus nennt sich eine Vielzahl von bewegungspädagogischen Schulen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Abkehr vom Ständeverhalten hin zum Neuhumanismus anstrebten)
Wsewolod Emiljewitsch Meyerhold (Biomechanik, antirealistische Bühnenkunst)
der späte Konstantin Stanislavski
Stella Adler
Sanford Meisner

Bekanntestes Beispiel: MARLON BRANDO, er war Schüler von STELLA ADLER. Er war sehr viel intelektueller als viele denken. Er sah in allen Rollen anders aus und war doch immer Marlon. Vergleiche seine Rollen in ENDSTATION SEHNSUCHT, DIE FAUST IM NACKEN, DER PATE, DER LETZTE TANGO VON PARIS, APOCALYPSE NOW..

Deswegen ist mein Logo übrigens auch wtf would Marlon do? Marlon Brando ist DAS Jahrhunderttalent. Allerdings wäre er meiner Meinung nach nicht so berühmt geworden, hätte JAMES DEAN länger gelebt.

Die KOMBINATION von beidem:

Das i-Tüpfelchen, vor allem aber die Realität des Schauspiels ist eine KOMBINATION von „Von Innen nach Aussen“ und von „Von Aussen nach Innen“. Jeder Schauspieler und jeder Coach braucht einen STEIGBÜGEL, „einen Zipel, an dem er das Leben und die Kunst packt“. Das war frei nach Goethe und ist im übertragenen Sinne gemeint! Irgendwo muss man eben anfangen. Beim INNEN oder beim AUSSEN. Und man fängt intuitiv dort an, wo es am leichtesten fällt. Und dann kombiniert man. Damit spart man sich viel Zeit und Arbeit. Denn die eine Herangehensweise ist in manchen Bereichen einfacher und direkter als die andere. Wir sind frei und machen, was wir wollen. Und nur das, was funktioniert, zählt.

Als Schauspieler hat man eine Methode verinnerlicht oder man wurde mit einer Methode ausgebildet. Als guter Coach muss ich natürlich VERSATIL sein und beides kennen und können, denn jeder Klient ist anders.

Die 7. und wichtigste typische Frage: Welcher Coach ist der richtige für MICH?

In erster Linie hat man einen Coach, um in eine Rolle reinzukommen.
Nun sucht man
dafür eine Vetrauensperson und das ist wie bei einer Beziehung oder einem Therapeuth: Die Chemie ist extrem wichtig.
Den akzeptiere ich, dem vertraue ich, von dem lassich mich führen, mit dem kann ich in den Konflikt gehen, bei dem fühle ich mich wohl. Will ich einen Mann oder Frau? Eher alt oder eher jung?

Entscheidend ist die Substanz eines Coaches ein Therapeut hat Psychologie oder Psychatrie studiert und auch ein Schauspielcoach sollte Schauspiel und Schauspieltechniken studiert haben. Nachdem „Coach“ wie „Schauspieler“ kein geschützter Beruf ist, muss ein Coach natürlich keinen akademischen Abschluss haben. Aber wie bei einer parethätischen Prüfung der ZAV sollte er genug Erfahrung und Wissen über Schauspiel vorweisen können.

Er sollte selber gepielt haben. Weil ein Coach wissen muss, wie es ist, in einer Rolle zu stecken und auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen. UND er muss an einem Punkt sein, wo er sich selber nicht primär als Schauspieler sieht. Warum? Wenn er selber noch Schauspieler ist, fehlt ihm die Distanz zur Rolle, weil er sich immernoch selber als Schauspieler einbringen will.

„Coach“ sollte nicht sein Nebenberuf sein, sonst kann er nicht tief genug einsteigen. Mit genug Wissen“ meine ich auch eine gewisse Bandbreite an Wissen. Natürlich gibt es Spezialisten für gewisse Methoden oder Gurus. Die nur Chubbuck“ oder nur Batson“ oder nur Strasberg“ odernur Checkov“ oder „nur Meisner“ machen. Aber das finde ich persönlich eindimensional. Ein Coach sollte eben VERSATIL sein. Wenn Du Deine eine ultimative Technik gefunden hat, dann macht ein Spezialist Sinn. Es fragt sich nur, wie lang.

Es gibt einen Kern, eine Schnittmenge aller Schauspieltechniken. Ja, egibt fixe Parameter um zu benennen, was „gutes“ Schauspiel ausmacht. Die Beurteilung von Schauspiel ist nicht so vage, wie es viele Leute abseits der Kamera oder Bühne machen – Kritiker, Caster, Redakteure, Zuschauer..

Testet den Coach, was ER gutes Schauspiel“ findet. Stimmt Ihr überein?
Testet, wie gut er es benennen und differenzieren kann und was er für Möglichkeiten kennt, um dorthin, zu „gutem Schauspiel“, zu kommen.

Wenn der Coach diesen Test“ besteht, dann hat er einsolide Basis und wenn Ihr ihn auch noch sympathisch findet, dann arbeitet mit ihm oder ihr. Probiert es aus!
Es kann sein, dass ihr 3 verschiedene Coaches ausprobieren müsstbis ihr an den kommt, despeziell für Euch der Richtige ist.
1 guter Coach ist besser als keiner,
1 schlechter Coach ist schlimmer als keiner.

Julia Koschitz mit Wotan Wilke Möhring in AM RUDER (Regie: Stephan Wagner)

Meine Klientin Julia Koschitz arbeitet mit unterschiedlichen Coaches an unterschiedlichen RollenHauptsache NICHT GLEICHZEITIG! Denn zu viele Köche verderben den Brei. Zu mir kam sie immer mit dramatischen Rollen. Für unsere Arbeit hat sie immer Preise oder Nominierungen erhalten.

Weitere Kriterien und quasi der Fragebogen für Deinen passenden Coach:

– Schaut auf seine Referenzen oder bisherigen Tätigkeiten
– Hat er eineigene Technik entwickelt? Ist die gut?
– Recherchiert er gut?
Publiziert er? Wenn ja, was?
– Ist er gut vernetztDamit meine ich nicht, dass er Jobs vermittelt. Er ist kein Agent, kein Caster, kein Produzent und kein Redakteur. Ich finde diese Ämterhäufung auch absolut unseriös und verdächtig – denn dann geht es dem Coach nur um MACHT. Nicht um Dich.
– DISKRETION ist ein absolutes MUST-HAVE!! Alle privaten Geheimnisse, intimen Details oder Verletzugen müssen unter Euch bleiben!
– Ein guter Coach kostet Geld. Ein guter Coach ist es auch wertweil er den Karriereverlauf maßgeblich verbessern kann – KANN. Es gehören 2 dazuDeine Umsetzung zählt. Wenn das funktioniert, dann sind die Coachingkosten sehr schnell wieder reingespielt. Man braucht aber auch ein wenig Geduld und finanziell einen mittellangen Atem. Wer Schauspiel nur macht, um Geld zu verdienen, hat eh ein Problem. Wer Schauspiel macht ohne Geld zu verdienen auch. Eile mit Weile. Zeit ist durch nichts zu ersetzen als durch Zeit. Jeder hat eine andere Geschwindigkeit. Es dauert, bis Dein System das Coaching verinnerlicht hat und umsetztSchnellschüsse gehen meist daneben und sind nicht sehr nachhaltig.
– Stellt die Persönlichkeit des Coaches in Frage: Hat er sein eigenes Leben im Griff oder proijeziert er nur seine Neurosen, seine Defizite oder seine Needs also seine unbewussten, unerfüllten Bedürnisse – auf Dich?
Geht es ihm mehr um sich oder mehr um Dich? Ist er wirklich bei Dir?
– Sieht er Dich mit einem
liebevollen BlickLiebt er Dich? Im übertragenen Sinne! Wenn er sich in Dich oder Du Dich in ihn ernsthaft verliebst – sofort die Arbeit abbrechen! Das ist EMOTIONALER MISSBRAUCH! Geht überhaupt nicht. Und körperlicher Missbrauch erst Recht nicht. Aber er muss Dich mit eineliebevollen Blick sehen. Und genauso musst Du Deinen Coach sehen wollen.
– Hält er
professionellen Abstand?
– Zusammenfassend ist
es eigentlich ganz einfach: Fühlst Du Dich wohl bei ihm?

 

Abschliessen möchte ich meinen Vortrag mit einem Goethe-Zitat – ich bin einfach Goethe-Fan. Und dieses Zitat fasst meine ganze Vorrede und die ganze Veranstaltung zusammen:

VOLUCAP starts! Die Zukunft für Schaupiel kommt. Aus Deutschland.

Benedict Cumberbatch Motion Capture Smaug für THE HOBBIT

Ich persönlich habe es als Schauspieler immer geliebt, vor Green Screens zu spielen. Weil ich die Welt in meinem Kopf offiziell und komplett um mich herum entstehen lassen konnte und musste. Das tat ich on real locations beim Drehen eh – inkognito, denn ich hatte ja ein 20-köpfiges Team im Blick. In einer Münchner Turnhalle habe ich Motion Captures für Roland Emmerichs ANONYMOUS gedreht. Bei der VFX-Firma Trixter spielte ich im Green Screen für Robert Downey Jr. als Stand In für IRONMAN. Was Green Screen und Motion Capture bedeutet, zeigt Benedict Cumberbatch sehr gut: https://www.youtube.com/watch?v=Wu9XPEdBelY

 

Andy Serkis

Andy Serkis als GOLLUM

 

Legendär und Pionier ist und bleibt Andy Serkis, der in Peter Jacksons HERR DER RINGE und KING KONG als Gollum und King Kong die herrliche echte Vorlage bot, welche anschliessend digital überzeichnet und zu Filmgeschichte wurde:

https://www.youtube.com/watch?v=w_Z7YUyCEGE

Andy Serkis als KING KONG und Naomi Watts als ANN DARROW

Andy Serkis im Motion Capture Smaug für PLANET DER AFFEN 3

Andy Serkis – welch grosser Schauspieler und Meister der Animal und Body Work!!

Da es viele nicht wissen: In einem Film mit Andy Serkis, DEATH OF A SUPERHERO, habe ich als der ebenfalls digital überzeichnete „The Glove“ mitgespielt: https://www.youtube.com/watch?v=ivkcvl63dhY Gefilmt wurde dies on Real Location in der Onkologie Großhadern/München mit Thomas Brodie-Sangster und Nina Gnädig. Die Sprechweise gab ich vor und sie wurde vom irischen Native-Regisseur Ian Fitzgibbon im Dubbing übernommen.

Ihr merkt schon – virtuelles Schauspiel ist Teamwork und purer Spass! Und das Endergebnis on screen wie HERR DER RINGE, ANONYMOUS oder IRONMAN eine Sensation. In Zeiten der digitalen Revolution hatte ich allerdings immer berfürchtet, dass Schauspieler irgendwann durch computergenerierte Figuren ersetzt werden. Aber Leben und Lebendigkeit sind durch nichts zu ersetzen!

Nun kommt mit VELOCAP der nächste grosse Schritt der digitalen Revolution im Bereich der Medien – und zwar aus Deutschland. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut, ARRI, Interlake System, Studio Babelsberg und der UFA eröffnete der brandenburger Wirtschaftsminister Albrecht Gerber am 11. Juni 2018 die gemeinsame Firma VELOCAP in Potsdam-Babelsberg. Es gibt ähnliche Studios in London und Los Angeles, aber Babelsberg hat das am weitesten entwickelte Studio und ist somit Marktführer. Von wegen „Digital-Wüste Deuschland!“

Herbert Knaup im Volucap Potsdam-Babelsberg

In einem 170qm grossen Studio werden in einer 4m hohen Rotunde mit 32 3D-Kameras Schauspieler aufgenommen. Spezielle Tonaufnahmen ermöglichen den 360° Surroundsound. Es werden KEINE Avatare erstellt, sondern die Ansicht eines Schauspielers aus jeder nur möglichen Perspektive wie ein Hologramm, welches digital in jedes reale oder virtuelle Umfeld versetzt werden kann. Diese Technik ist hochinteressant für die Filmindustrie, aber auch fürs Entertainment, für die Wissenschaft, die Automobilindustrie und den Computer Games – Markt. https://www.youtube.com/watch?v=Y1JrCMx3wyE https://www.youtube.com/watch?v=xhAcHsc3Id8

Der Jahrhundertschauspieler Marlon Brando hat im Alter diese Entwicklung vorhergesehen und sich digital erfassen lassen.
Nun erstand auch Bruce Lee wieder auf:https://www.youtube.com/watch?v=HI1YiuXcTnw

Auslösend dafür mag die nicht aufzuhaltende VR-Technologie sein. Mit der Virtual Reality – Brille wird die virtuelle Realität -also zum Beispiel ein Film- nicht mehr nur dargestellt, sondern der Zuschauer erhält die Präsenz IN dieser virtuellen Realitiät/dem Film. Man starrt also nicht mehr auf einen Bildschirm, sondern kann seinen Blick in alle Richtungen wenden und die 3D-Realität aus jedem gewünschten Winkel entdecken. Der Zuschauer wird Teil der virtuellen Realität, welche er sogar beeinflussen kann. Unterstützt wird diese virtuelle Welt außerdem noch durch sensorische Eindrücke wie Geruch, Ton und Berührung. Diese Technik ist bereits aus Compuerspielen bekannt, die über Joysticks oder Gamepads diese fühlbaren Ereignisse simulieren.

VR-Brille

Was heisst das für Schauspieler?

Erstmal unendlich viel neue Arbeit. Natürlich werden auch hier zuerst prominente, bekannte Schauspieler nach dem alten Muster „Vita, Prominenz und Instagram-Follwers“ besetzt, damit der Zuschauer -der die neue Technik ja noch nicht kennen kann- davon überzeugt wird, dass es sich dabei um echte Menschen, also echte Schauspieler handelt und keine künstlich generierte Figur. Aber wieviele Nebenrollen muss es in einer virtuellen Welt geben und wieviel Schauspieler wird es brauchen, um diese virtuelle Welt zu simulieren! Sehr, sehr viele. Also keine Angst, sondern Freude und Hoffnung auf ein neues Medium.

Was bedeutet diese Herausforderung fürs Schauspiel?

Mir gefällt ja besonders gut, dass mit dieser ultra-modernen Technik ein Bogen zum guten, alten Schauspiel und zu den Meistern der Zunft geschlagen wird. Denn wie soll man mit der Isolation in einer 4m hohen, weissen Rotunde vor 32 Kameras und ohne Spielpartner umgehen?

Stanislavski war es, der die„wahrheitsgetreue Darstellung des Lebens“, die „alltägliche Wirklichkeit“, die „Konstruktion der Wirklichkeit im Kunstwerk“ und die „Logik, Kausalität und Wahrheit“ im Spiel bereits im vorletzten Jahrhundert thematisierte. Lee Strasberg entwickelte auf Basis von Stanislavski das Spiel von „Innen nach Außen“ weiter und kultivierte das „Affektive Gedächtnis“ und die „Sense Memory“. Stella Adler führte das Konzept der Vorstellungskraft, der „Imagination“, auf Basis von Stanislavsky in unerreichte Höhen. Ohne diese Vorstellungskraft ist der Schauspieler in der 4m hohen, weissen Rotunde verloren. „The truth in art is the truth of your circumstances.“ (Konstantin Stanislawski zitiert nach Adler). Um zu physischen Handlungen in der Isolation zu gelangen, ist die Textanalyse unabkömmlich und diepraktische Übung in der Rolle Vorausssetzung,um die Alltäglichkeit und die emotionale Fallhöhe fiktiver Figuren der Weltdramatik darzustellen.

Das freut mich natürlich als Coach, dass in Zukunft die Verbindung zur alten, hohen Kunst bestehen bleibenwird und damit weder Susan mit ihrer „Truth“ noch Ivana Chubbuck mit ihrer „Scene-Objective“ keinesfalls irrelevant werden. Wie in den Demoszenen in meinen Workshops vor weisser Wand und gerade wenn der Schauspieler nicht einmal einen Spielpartner hat, ist die Analyse und die Probe der Imagination unersetzlich.

Genau wie vor 100 Jahren der Film das Schauspiel revolutionierte, geht Schauspiel nun auch heute in eine neue Dimension. Es bleibt der Kampf zwischen Lebendigkeit und Artifizialität. Die Schauspieler stehen für das Leben und die Lebendigkeit. Lasst uns diese ins nächste Jahrhundert tragen! 

The new Public Persona

Ich persönlich begrüsse, dass die Öffentlichkeit näher an die öffentliche Person heranrückt. Ich wünsche mir sogar, dass das öffentliche Bewusstsein durch den Waschbrettbauch hindurch weiter ins Innere vorrückt. Vielleicht kommen irgendwann die Zeiten, in denen die innere Haltung, das innere Gleichgewicht und die Spiritualität einer öffentlichen Person entscheidend sind. Das wäre meine Traumvision einer besseren Welt. Bis dahin suchen wir alle den passenden Grad der Übereinstimmung zwischen öffentlicher Persönlichkeit und Privatperson in der digitalen und der realen Welt. Wir erkämpfen uns unseren digitalen Status und wir werden sicherlich einige digitalen Behauptungen aufgrund unserer realen Grenzen nicht einhalten können. Das macht aber nichts – denn das führt nur zu der Einsicht und Selbsterkenntnis, für die wir im realen Leben von echten Menschen geliebt werden.

Aber der Reihe nach: Der durchschlagende Welterfolg der 90er-Jahre-Werbekampagne mit Kate Moss https://www.youtube.com/watch?v=E3t8cJmGFa0 oder https://www.youtube.com/watch?v=gtE0-7wDjM0 – die von der Bullyparade grossartig verarscht wurde https://www.youtube.com/watch?v=DFSzx4DFGwQ – zeigt, dass der Grundgedanke „Just be“ gar nicht so dumm war. Wir befinden uns im Zeitalter der digitalen Revolution, in dem PR, Bilder und public personas wichtiger sind denn je.

Links Mark Wahlberg und Kate Moss

Gleichzeitig ist der Zuschauer rein technisch nun unendlich viel näher am Schauspieler dran, als noch zu Theater- oder Hollywoodzeiten: Beginnend mit den Paparrazzi in den 90ern, Facebook in den Nuller-Jahren, dem Mikrobloggingdienst Twitter ab 2006, sowie der audiovisuellen Plattform Instagram in den Zehner-Jahren rückte das Publikum näher als eine virtuelle Gemeinschaft zusammen. Jede Privatperson hatte damit ein öffentliches Profil und musste sich zwangsläufig selbst mit Öffentlichkeit und Privatem auseinandersetzen. Digital konnte sich nun auch jede Privatperson wie ein Star fühlen. Und mit kommerziellen Dating-Plattformen wie Tinder (2012) und Grindr (2009) wurde sogar die eigene Sexualität profiliert und veröffentlicht. Mit youporn (ab 2006) oder cam4 (ab 2007) konnte man selbst das Intimste veröffentlichen, Geld verdienen und ein Plattform-Star werden. Für Personen des öffentlichen Lebens bedeutete dies eine riesige Konkurrenz und erzwang ihre weitergehende Exposition – die Öffentlichkeit erhob Anspruch auf das Ptivatleben öffentlicher Personen. Marlene Dietrich war wie so oft eine visionäre Vorreiterin und inszenierte „private Bilder“ schon in den 1930er-Jahren.

Marlene Dietrich „privat“ in Hollywood

Damals gab es noch keine Smartphones und die von ihr mitbegründeten, aufwändig gestalteten und lancierten Star-Kampagnen in den Printmedien gerieten im Zuge der Digitalisierung in den Hintergrund. Printmedien kämpfen heute schon lange ums Überleben. Eine Verkörperung des Übergangs der „alten“ in die „neue“ Zeit ist Nicole Kidman. Mit Print und Filmen ist sie gross geworden, heute postet sie spontan auf Facebook und bekommt 10.000 likes, auf Instagram 100.000 likes. Das entspricht heute mit nur einem spontanen Bild die damalige gesamte Printauflage des Magazins für das sich damals Marlene Dietrich „privat“ inszenierte. Wenn David Beckham („nur“ ein Sportler) mit einem Famililenbild auf Facebook 200.000 likes und über Instagram 2 Millionen likes bekommt, dann sind nun endgültig alle alten Dimensionen gesprengt. Vor der digitalen Revolution wurden Filme und Theateraufführungen monatelang geprobt oder aufgenommen, Fotostrecken aufwändig konzipiert und tagelang fotografiert. Heute ist alles ein Klick mit dem Smartphone.

Das ist keine Kritik an der Digitalisierung, kein Ersehnen alter Zeiten oder ein Klagelied über verlorene Werte. Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Die humanistischen Werte haben sich auch nicht verändert – ihre Darstellungsweise dafür umso radikaler. Sieht man sich den materiellen und zeitlichen Aufwand früherer Wertedarstellungen und Image-Kampagnen an, so könnte man von einer „Entmaterialisierung“ sprechen. Früher musste ein Mann Schlachten schlagen und gewinnen, um als Held anerkannt zu werden. Es wurden Villen, Palais und Schlösser gebaut, um den sozialen Status zu unterstreichen. Sportler mussten Weltmeisterschaften gewinnen, Politiker Mauern öffnen und Schauspieler mindestens Richard III. im Burgtheater geben oder in legendären Filmen wie „Endstation Sehnsucht“, „Jenseits von Eden“, „Taxi Driver“ oder „Titanic“ die Hauptrolle spielen. Heute schafft es ein Männermodel wie Jon Kortajarena Redruello mit einem Bild auf Instagram im Schnitt auf 60.000 likes zu kommen. Ja, er machte Karriere als Model für Armani, Cavalli, Guess und Mango und spielte auch eine (nicht gerade schwierige) Nebenrolle in Tom Ford´s „A Single Man“ neben Colin Firth. Trotzdem steht seine Öffentlichwirksamkeit in keinerlei Relation zu seinem Schaffen. Was ist es dann, wofür er so berühmt und erfolgreich ist?

Jon Kortajarena Redruello

Sein Charisma, seine Mentalität, seine Lebenseinstellung, kurz seine „energy“ sind auf all seinen Bildern und in Videoclips zu spüren. Er braucht keine Reden zu halten oder ein Buch zu schreiben. Unsere auf schnellen Konsum orientierte Generation hätte weder Zeit noch Lust, ganz zu schweigen von dem nötigen Bildungshintergrund, eine lange Rede oder ein philosophisches Buch zu studieren. Kortajarena schafft es, die Quintessenz einer langen Rede oder eines Buches zu verkörpern und auszustrahlen. Sein Gesicht und sein Körper bilden seine Lebensweise ab. Alle Fragen an ihn beantworten sich mit einem Blick auf seine Bilder wie von selbst: „Just be“.

Erklärt sich nun die sozio-kommunikative Bedeutung des Calvin Klein-Kampagnen-Slogans? Natürlich hat auch Kortajarena eine public persona, die er nicht 24/7 einhalten kann, aber in der Öffentlichkeit erfüllen muss. Ich stehe nicht auf Kortajarena und bin auch kein crazy Fan von ihm. Mich fasziniert nur dieses Phänomen, eine öffentliche Persönlichkeit ohne belegbare Verdienste sein zu können. Und er ist nur einer von vielen. Es gibt unzählige andere männliche oder weibliche Beispiele. Ich wünschte mir diese Öffentlichkeitswirkung und dieses verkörperte Statement für Schauspieler. Gerade deutsche Schauspieler verstecken sich hinter politischer Korrektheit und vergessen durch ihre Verkopftheit ihre Aufgabe als öffentliche Personen Leitbilder zu sein und wundern sich dann, dass prollige C-Promis oder irgendwelche Kardeshians ihnen die Aufmerksamkeit ihres eigentlichen Publikums stehlen. Deswegen breche ich dieses Phänomen gerne weiter für Euch Schauspieler herunter.

Marylin Monroe „privat“

Spätestens seit dem Medium Film rückte die Öffentlichkeit näher an die Schauspieler heran. Ein close-up ist nuneinmal etwas viel Intimeres als eine Theaterbühne. Marylin Monroe und Lady Di sind Ikonen und tragische Beispiele für das Einbeziehen der Medien in das Privatleben einer öffentlichen Person. Und das war noch vor der digitalen Revolution! Heute sind wir nun alle dank des Internets mehr oder weniger glässerne Menschen. Nicht nur ein Geheimdienst, sondern jeder IT-Spezialist kann all unsere Gewohnheiten und Neigungen belegen, jeder Follower unsere Lebenseinstellung. Ich sehe schon an einem Facebookprofil, ob ein Schauspieler schwul ist oder eine Schauspielerin ein leichtes Mädchen. Die Caster sehen das übrigens auch. Aber pfeift darauf, „just be“!

Steht zu Eurer unfreiwilligen Public Persona und nehmt die Verantwortung dafür selbst in die Hand! Durch Bilder und Videos bis ins engste Privatleben hinein lässt sich ein Status nicht mehr einfach nur behaupten – man muss ihn leben. In den 80er-Jahren war man mit einer Vokuhila-Matte und einer Lederjacke schon ein heisser Typ – siehe David Hasselhoff in „Knight Rider“. In den 90ern bei „Baywatch“ musste er allerdings schon an seiner Figur arbeiten. Pamela Anderson war blond, hatte grosse Brüste und war damit ein Star. Heute ist eine Frau mit Schönheits-OPs unglaubwürdig oder eine Prostituierte. Frau muss mindestens Yoga können und sich vegan ernähren. Ein junger Mann ist ohne Waschbrettbauch und definierter Figur in der Medienbranche bereits ein Aussenseiter. Eine Frau ohne Superfood-Kenntnisse oder akademischen Hintergrund ein Internet- Flittchen. Genau das ist es, was ich mit „die Öffentlichkeit rückt einem näher“ meine. Um einen Waschbrettbauch zu haben , muss man den Waschbrettbauch leben: 6 Tage die Woche trainieren, kaum Alkohol oder Kohlenhydrate, kein Junkfood.

Sina Martens im Focus

Und damit hört es noch lange nicht auf: Als Vegetarier postet man vegetarische Essensbilder, als Bio-Fan Kampagnen gegen Massentierhaltung, als Liberaler Anti-Afd-Posts oder humanistische Botschaften, als Nachhaltiger trägt man keine menschen- oder umweltfeindlich produzierten Klamotten, als sozialer Mensch postet man Freunde und Familienbilder (auf keinen Fall nur Selfies, das würde Einsamkeit bedeuten), als Gutverdiener Urlaubsbilder von Traumlocations, als kultureller Mensch Museums- und Theaterbilder, als arbeitender Schauspieler Set-Bilder, als erfolgreicher Schauspieler Pressefotos von Galas oder mit anderen Promis. Dass man sein Leben im Griff hat, zeigen entspannte Selfies in der eigenen Wohnung.

Dass man total locker ist, zeigen witzige Bilder mit gut aussehenden Freunden untertags oder beim Ausgehen abends, Gym-Fotos dagegen beweisen Disziplin. Es ist heute ein 24h-Job eine öffentliche Persönlichkeit zu sein. Und wenn man diese public persona nicht wirklich ist und lebt, setzt eine wirklich krankhafte Schizophrenie ein, wie man sie täglich erlebt: Die Glaubwürdigkeit der digitalen public persona zerbricht beim ersten Kennenlernen des echten Menschen. Überlegt Euch deshalb gut, welche Rolle Ihr als public persona spielen wollt – denn ihr müsst sie durchhalten und tragen.

Oleg Tikhomirov bei der Kostümprobe

So gesehen gibt es nur zwei Optionen: 1. Just be oder 2. der Rückzug aus den digitalen Medien und die Trennung zwischen Öffentlichkeit, Arbeit und Privatem. Je konsequenter der Rückzug ins Private ist, desto besser und höherwertiger muss die Arbeit sein, um erfolgreich zu sein und zu bleiben. Ein positives Beispiel für diese strikte Trennung zwischem Privaten und Beruflichem ist meine Klientin Sina Martens. Sie liefert derart fundierte und gute Arbeit auf der Bühne des Berliner Ensembles ab, dass sie ihre public persona gar nicht bis ins Private mit hinein nehmen muss. Bei öffentlichen Veranstaltungen tritt sie als die grossartige Theaterschauspielerin auf, die sie ist und äussert sich in Interviews zu ihren ihr wichtigen Themen: Kulturelles und Soziales.

Zuversichtlich stimmt mich, dass es hierzulande auch positive Beispiele von Schauspielern gibt, die noch nicht derart etabliert sind. Und stolz bin ich, dass auch dieses Beispiel ein Klient von mir ist: Oleg Tikhomirov. Ich kenne ihn privat genauso gut wie sein Profil auf digitalen Netzwerken. Und er ist im realen Leben tatsächlich wie das Bild, das er publiziert. Er spielt auf der Bühne und im Film mit derselben Energie wie sie von seinen posts impliziert wird. Sein Beziehungsstatus ist klar und bleibt so privat, wie er auch unter Freunden intim bleiben würde. Ganz offensichtlich bilden sein Gesicht und sein Körper seine Lebenseinstellung und Lebensweise ab. Er versteckt sich nicht hinter politischer Korrektheit und äussert parteiunabhängig klar seine politische Meinung, welche er auch lebt und im Gespräch vertritt. Er bekommt im Schnitt vielleicht nicht wie Kortajarena oder David Beckham 100.000 likes auf Instagram, sondern nur 100. Aber dafür ist er glücklich. Er hat nichts zu verstecken und geniesst die relative Anonymität, eben noch kein Star zu sein. Das wird sich bald ändern. Aber er hat den Grundstein dazu gelegt, für immer der bleiben zu können, der er wirklich ist.