Wie bekomme ich mehr Erfolg?

Erschienen im Ca:st-Mag 2/19

Foto: Leonardo DiCaprio mit seinem Oscar

Wie bekomme ich mehr Erfolg?

Mit dieser mehr oder weniger klar ausgedrückten Frage kommen ja oft Schauspieler
zu mir. Ich gebe die Frage dann immer zurück: Was ist denn Erfolg für Dich?
Und da kommen die meisten schon ins Stottern. Entweder trauen sie sich nicht,
„Geld“ oder „Fame“ zu sagen, oder sie haben schlichtweg keine Ahnung, was sie
wollen. Das ist beides nicht besonders konstruktiv.

Wenn Dir jemand auf Deine Frage nach mehr Erfolg sein Erfolgskonzept präsentiert,
dann kannst Du schon mal davon ausgehen, dass dieser Mensch Dir etwas verkaufen
will. Denn es gibt kein allgemein gültiges Erfolgsrezept.
Also nochmal von vorne. Was ist Erfolg für Dich?
Wenn Du Schauspieler bist oder sein willst, dann gehe ich davon aus, dass Du
Künstler bist. Oder zumindest künstlerische Neigungen hast. Ein Künstler möchte der
Welt seine Originalität hinterlassen. Ein Künstler hat eine kindliche Freude an allem
Neuen, mit seinen Partnern, an allem Ungewöhnlichen und an jedem Ausdruck seiner
Einzigartigkeit. Es geht einem Künstler nicht unbedingt um den Inhalt oder das
Medium seiner Kunst. Ein Künstler verspürt Lust und Freude daran, Elemente
miteinander zu kombinieren und etwas Neues zu erschaffen. Wahre Künstler oder
Schauspieler sind keine Re-Teller, also Nacherzähler, sondern sie wollen ihre
ureigene Interpretation eines Sujets manifestieren.
Als angehender Schauspieler brauchst Du natürlich Handwerk. Optimal ist eine
fundierte Ausbildung, aber learning by doing ist für mich genauso viel wert. Es geht
ja auch darum, dass Du lernst, Dich durchzusetzen. Dass Du in einem Team bestehen
kannst. Denn Schauspielerei ist immer Teamarbeit.
Langjährige Schauspieler sehnen sich oft nach einem Neustart und haben
Erfolgspläne. Das ist schön. Aber willst Du Gott zum Lachen bringen, dann zeige
ihm Deine Pläne! Denn es kommt erstens anders und zweitens als man denkt. Oder
wie Mark Twain sagt: „Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn es um
die Zukunft geht.“
Die meisten vergessen einen viel wesentlicheren Punkt:
Wer bin ich? Was ist mein Kern? Wer will ich sein?
Es darf auch dauern, bis Du diesen Kern findest. Es gibt kein A + B = C.
Ein Werdegang ist viel subtiler und sieht im Rückblick auch immer logischer aus als
er sich anfühlt. Setze Dir Etappenziele. Es braucht auch seine Zeit, bis man neue
Erkenntnisse verdaut hat.
Was Dein Kern ist, lehrt Dich entweder schon früh das Leben oder ein Mentor. Ein
Mentor ohne emotionale Abhängigkeiten. Für Nicole Kidman war das Susan Batson,
für James Dean war das Elia Kazan. Sie haben es geschafft, mittelmässige
Schauspieler in der Kunst so ehrlich werden zu lassen, dass sie heute legendär sind.
Du musst wissen, wer Du bist. Mit all Deinen Stärken und Schwächen. Das ist
wahres Selbst-Bewusstsein. Das ist es, was Du Deinem Publikum schenkst. Was gibt
es Schöneres, als für das, was man wirklich ist, anerkannt zu werden? Und nicht für
das, was man nicht ist.
Und dann gibt es nur noch eine Richtung: Nach vorne. Keine Ahnung, in welche
Richtung Dein „nach vorne“ geht! Mach Dich in Deiner Arbeit sichtbar. Informiere
Dich und folge Deiner Intuition! Mach Dir keinen Erfolgsdruck, sondern mach das,
was Dir Freude bereitet. Bilde Deine Arbeit ab und verbreite sie. Arbeite als Model,
als Moderator, spiele im Off-Theater, in Kurzfilmen, in Demoszenen, halte Lesungen,
dreh eine Webserie, einen Werbefilm, eine Mockumentary – was auch immer Du
willst! Oder mit den Worten von Florian David Fitz: „Solange Du Deine Seele
mitnimmst, kannst Du alles machen.“
Du musst natürlich auch Geld verdienen. Da musst Du klar priorisieren: Ist das eine
Arbeit fürs Geld, für die Kunst oder für Beziehungen? Einer der drei Punkte ist völlig
ausreichend. Du darfst nur in keinem der drei Punkte hängen bleiben. Denn erst dann
kannst Du Dein eigentliches Ziel erreichen: Geld und Kunst.
Als Künstler muss es Dich drängen: „Wo kann ich noch mehr von mir zeigen? Wo
sehen mich noch mehr Leute?“ Natürlich ist ein Künstler nie vollends zufrieden mit
seiner Arbeit – aber es gibt immer ein neues Projekt, eine neue Chance, besser zu
werden. Dafür musst Du wach sein, Augen und Ohren offen halten, ansprechbar und
erreichbar sein und vor allem Zeit dafür haben. Und auf Dein Bauchgefühl hören.
Klingt nach einem Allgemeinplatz, aber was sind Deine Prioritäten? Lebst Du Deine
Prioritäten oder die Prioritäten anderer?
Einem Künstler kann das Medium seines Ausdrucks egal sein. Max von Thun
kümmerte sich, als er Vater wurde, vor allem um seinen Sohn. Dann hat er ihm
Lieder vorgesungen und ihm Geschichten erzählt – die sind als Kinderbuch
erschienen und er ist damit sehr erfolgreich. Oder Palina Rojinski: Sie ist eigentlich
ausgebildete Tänzerin und stolperte mit einem scripted-reality-Format ins Schauspiel.
Dann wurde sie Moderatorin, DJane, Jurymitglied, ist Influencerin und hat nun ihren
eigenen Podcast. Sie ist eine wahre Künstlerin, weil nur sie die einzigartige Palina ist.
Gerade hat sie eine Hauptrolle in einen Kinofilm mit Elyas M´Barek gedreht.
Und müssen es denn für Dich wirklich der Kinofilm und der Oscar sein? Das ist nicht
besonders einfallsreich. Erdogan Ataly dreht seit 23 Jahren Cobra11 – damals
schmunzelte man über die neue RTL-Serie. Heute ist er einer der bestverdienendsten
Schauspieler Deutschlands und bei jeder neuen Folge auf den Punkt und neugierig. Er
hat sein Lebenswerk geschaffen.
Also was ist Erfolg für Dich? Wenn Du das weisst, dann kannst Du Dein Ziel mit
verbundenen Augen treffen.

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